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  • RE: MesserDatum11.03.2008 08:27
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Messer
    ...und hier ein Interview aus der Ostsee-Zeitung, vom 21.11.2002

    Begegnung einer Kunstfigur mit anderen Kunstfiguren in einer artifiziellen Welt: Das Buch „Messer“ enthält neben Gedichten Till Lindemanns auch eine Reihe inszenierte Fotos, die den Sänger und Autor zeigen.



    "Es gibt nichts Schlimmeres als Mittelmaß"

    Interview mit Rammstein-Sänger Till Lindemann zu dessen Gedichtband „Messer“

    Berlin (OZ) Till Lindemann, Leadsänger der Rockgruppe Rammstein, hat neben seinen Songtexten in den letzten Jahren Gedichte geschrieben, die jetzt unter dem Titel „Messer“ – zusammen mit einer kunstvollen Serie Lindemann-Fotos bei Eichborn erschienen sind. Wie die Gedichte ankommen, ist dem vielseitigen Künstler jedoch völlig egal, sagt er im OZ-Interview.

    OZ: Seit wann schreiben Sie Gedichte?
    Lindemann: Mit 28 oder 29 begann ich, Textstrukturen aufzuschreiben. Das waren einzelne zerrissene Sätze, zum Teil einzelne Wörter, noch keine Gedichte.

    OZ: Mochten Sie so etwas in der Schule?
    Lindemann: Überhaupt nicht, im Gegenteil. Wenn du gezwungen wirst, etwas zu lesen, macht das nie Spaß. Letztlich muss man das selber für sich entdecken. Jeder muss entscheiden, ob er auch mal auf so einer Seitengasse rumfährt und nicht nur auf der Mainstreet. Für mich waren Gedichte eine absolute Entdeckung, wenn auch eine späte. Mein Vater (der Kinderbuchautor Werner Lindemann /d. R.) hatte ja auch welche geschrieben, die fand ich aber ganz furchtbar. Deshalb dauerte es eine Weile, bis ich da wieder aus der Deckung kam.

    OZ: Sport lag Ihnen als Jugendlicher offenbar mehr. Sie waren ein erfolgreicher Schwimmer beim SC Empor Rostock, immerhin Junioren-Vizeeuropameister.
    Lindemann: Ich mochte die Sportschule eigentlich nie, das war schon heftig. Aber als Kind konntest du dich nicht dagegen wehren.

    OZ: Sie haben keine guten Erinnerungen an Ihre Heimatstadt?
    Lindemann: Doch. Ich fahre auch nicht nur gern nach Rostock, weil mein Sohn dort lebt, sondern gehe auch gern am Strand in Warnemünde lang.

    OZ: Hatten Sie früher den Traum, berühmt zu werden?
    Lindemann: Überhaupt nicht.

    OZ: Jetzt sind Sie es, ist Ihnen das heute wichtig?
    Lindemann: Eher wenig. Man kriegt Freikarten fürs Kino und kann seine Strafzettel locker bezahlen. Ansonsten ist mir das egal.

    OZ: Ist Ihnen auch egal, wie Ihre Gedichte ankommen?
    Lindemann: Völlig egal.

    OZ: Mit der Band Rammstein haben Sie sich oft gegen die Unterstellung gewehrt, Sie würden mit rechtem Gedankengut sympathisieren. Haben Sie auch bei den Gedichten die Sorge, missverstanden zu werden?
    Lindemann: Ich habe Befürchtungen, aber keine Sorge. Ich rechne ganz fest damit, dass es so kommt. Es wird wohl so sein: Entweder werden die Texte angenommen oder total abgelehnt. Doch eigentlich kann das nur gut sein, denn so denkt man über sie nach. Allen Recht machen kann man\'s sowieso nicht, aber es gibt nichts Schlimmeres als Mittelmaß, wenn man so in dieser Springschicht schwimmt zwischen kalt und heiß.

    OZ: Poesie steht gemeinhin für Feinfühligkeit. Ihre Texte behandeln das Morbide, sind verbale Hinrichtungen, heißt es im Vorwort. Wollten Sie den Tabubruch?
    Lindemann: Auch, obwohl das nicht meine primäre Absicht ist. Andererseits freut man sich schon ein bisschen, dass sich jetzt sicher wieder viele aufregen. Man sollte das mit einem Schmunzeln betrachten und nicht alles so ernst nehmen.

    OZ: Macht es Ihnen Spaß, was Kritiker aus Ihren Texten heraus und in Ihre Denke hinein interpretieren?
    Lindemann: Unbedingt (lacht). Das ist ein schöner Nebenbei-Effekt.

    OZ: Als Sie die Texte schrieben, hatten Sie da schon im Hinterkopf, sie einmal zu veröffentlichen?
    Lindemann: Das kam eigentlich erst in den letzten zwei Jahren. Den Anstoß gab Gert Hof (Herausgeber des Buches/d. R.). Er meinte, es wäre schade, sie nicht zu drucken. Ich hatte ihm immer mal einen Schwung Gedichte gegeben, und er hat vorgesiebt. Auf einmal standen da Termine, weil sich tatsächlich ein Verlag gefunden hatte. Daran hatte ich anfangs gar nicht geglaubt.

    OZ: Was animiert Sie zu Gedichten?
    Lindemann: Das kann etwas Erlebtes, Geträumtes, Gelesenes oder im Fernsehen Gesehenes sein. Es gibt so viel, die Themen liegen ja überall herum.

    OZ: Den meisten Menschen fällt es schwer, ihre intimsten Gedanken öffentlich preiszugeben. Ihnen offenbar nicht?!
    Lindemann: Das sich Öffnen kam bei mir nicht von heute auf morgen, sondern passierte in kleinen Schritten. Meine Erfahrung ist, dass die Leute bei meinen Texten immer auf ein „Mehr, mehr, mehr“ gewartet haben. Irgendwann habe ich gesagt hat: Gut, jetzt gehe ich von der Vagina direkt zur Fotze über. Es hat auch keinen gestört, wir leben eben in so einer Zeit. Ich finde es trotzdem fantastisch, wenn man solche intimen Dinge lieber durch die Blume sagt. Aber wenn sich beides verbindet – alte Sprache mit diesen knallharten Parolen von heute, dann kriegt es so was Neobarockes. Es ist wie eine alte Säule mit einem Lackanstrich. Es knallt.

    OZ: Wo ist der Unterschied, wenn Sie Songtexte für Rammstein oder Gedichte schreiben?
    Lindemann: Bei Songtexten bekomme ich zuerst die Musik und versuche dazu eine Stimmung zu entwickeln. Das läuft viel filigraner und nach ganz anderen Richtlinien. Man muss einen Refrain bedienen, einzelne Wörter finden, versuchen, die Musik mit dem Wort zu unterstützen. Beim Gedicht bin ich völlig frei.

    OZ: Sie wollen auch eine Leseshow mit Ihren Gedichten machen?
    Lindemann: Irgendwann, aber da ist noch nichts Konkretes geplant. Meine Prämisse bleibt aber immer die Musik. Wir arbeiten gerade am neuen Rammstein-Album.

    OZ: Ein amerikanischer Germanistikstudent will nach der psychoanalytischen Untersuchung des Rammstein-Liedes „Du riechst so gut“ einen Ödipuskomplex bei Ihnen entdeckt haben. Stört es Sie, wenn Ihre Texte derart seziert werden?
    Lindemann: Der Typ hat eine fantastische Abhandlung und eigentlich eine Lobeshymne auf den Songtext geschrieben. Aber da ist einfach ein Schlagwort rausgepflückt und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Das ist genau dieser Journalismus, der mich absolut ankotzt, denn ich kann das in den seltensten Fällen – wie jetzt zum Beispiel – auflösen. Du stehst dann eben da wie ein Idiot und kannst nichts machen, obwohl es die Unwahrheit ist, in gewisser Hinsicht Rufmord. Das ist die einzige Geschichte, wo ich wirklich Hass kriege. Bei Rammstein haben wir das auch mal mit einem Fernsehjournalisten erlebt. Der hatte ein Interview so zusammengeschnitten, dass meine Aussagen plötzlich in einem ganz anderen Kontext auftauchten und wir als Fans des Nazi-Baumeisters Speer dastanden. Das ist eine ganz üble Sache, eine Story auf anderer Leute Kosten zu basteln.

    OZ: Was sagten Ihre Rammstein-Kollegen zu Ihren Gedichten?
    Lindemann: Wir kennen uns seit 20 Jahren, da ist man einfach befangen. Die würden nie sagen: Ey, das ist ja geil.

    Interview: GUNNAR LEUE
  • RE: MesserDatum11.03.2008 08:29
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Messer

    Hier ein Foto mit Till und Gert Hof.

  • Hamburger Morgenpost 4.1.2003 Messer-Interview

    »Ich stelle mir schon vor, das Opfer zu sein«

    Till Lindemann ist Sänger der international erfolgreichsten deutschen Band Rammstein. Seit die auf dem Soundtrack zu David Lynchs Film „Lost Highway“ vertreten war, hat sie auch in den USA Kultstatus. Lindemann ist für die oft sehr umstrittenen Texte verantwortlich. Jetzt hat er mit „Messer“ einen Gedichtband veröffentlicht, in dem er sich inhaltlich treu geblieben ist.

    Florian Maaß sprach mit dem Sänger



    MOPOP: Sie singen und dichten über Sodomie, Leichenschändung oder Mord. Kann Sie so etwas wie der Kannibalismus-Fall noch erschrecken?
    Lindemann: Ja natürlich. Aber der Fall ist auch ein Klassiker: der Biedermann, der abends zur Bestie wird.

    MOPOP: Wird es einen Song dazu geben?
    Lindemann: Ja, darüber gibt es sicher bald einen Text.

    MOPOP: In wen können Sie sich leichter hineinversetzen: den Verspeisten oder den Kannibalen?
    Lindemann: Ich kann mich überhaupt ganz gut hineinversetzen in solche Geschichten. Ich stelle mir schon vor, wie es wäre, das Opfer zu sein. Den anderen Teil aber finde ich noch krasser.

    MOPOP: Fühlen Sie sich bestätigt, wenn gruselige Geschichten, wie Sie sie in Ihren Texten beschreiben, wirklich passieren?
    Lindemann: Ich kann mir zumindest ein Lächeln nicht verkneifen und sage: „Seht ihr? So was gibts.“ Die Welt ist schrecklicher als alles, was ich schreiben kann.

    MOPOP: Sie wurden angegriffen, weil die Attentäter des Schulmassakers in Littleton Fans Ihrer Musik waren.
    Lindemann: Diese Amerikaner mit ihrer Bigotterie! Die sind wie kleine Kinder, die sofort einen Fremden suchen, der schuld ist.

    MOPOP: Der Vorwurf war, dass einige Zuhörer Ihr Spiel mit bestimmten Themen zu ernst nehmen.
    Lindemann: Das ist Schwachsinn! Was gibt es denn, was 12-Jährige heute noch nicht gesehen haben? Von abgetrennten Gliedmaßen über Mord, Vergewaltigung bis hin zu Pornos. Wie soll ich denn da einen Jugendlichen manipulieren?

    MOPOP: Gibt es für Sie überhaupt ein Tabuthema?
    Lindemann: Ich weiß nicht, ich suche noch danach.

    MOPOP: Vielleicht Glück?
    Lindemann: Vielleicht. Aber wenn ich schreibe „ich bin so glücklich, so verliebt“, dann wäre das auch albern.

    MOPOP: In Ihren Gedichten wird mit dem Glück auf dramatische blutrünstige Art gebrochen. Ist das Ihre Vorstellung von Erfüllung?
    Lindemann: Nicht von Erfüllung. Es ist meine Vorstellung vom Leben. Wenn etwas Gutes passiert, freue ich mich, rechne aber sofort wieder mit dem nächsten Unglück.

    Das Buch
    Schon Lindemanns Rammstein-Texte warfen Fragen auf. Was wollte er mit Liedern wie „Mutter“ und „Du riechst so gut“ sagen? Man weiß es nicht. Jetzt erscheint sein Gedichtband „Messer“. Auch hier bleibt einiges unbeantwortet. Ein Beispiel? „Wir treiben kalt auf Augenschauern / hungerfroh in schweren Fässern / sie schneidet tief, um mich zu essen / und darum hab ich Angst vor Messern.“

    Hamburger Morgenpost 4.1.2003

  • Sonic Seducer 31.1.2003 Messer- Interview

    Der Gigolo des charme morbide oder Keine Melodien

    von Thomas Clausen

    Thema: Gedichtband 'Messer' von Till Lindemann


    Till Lindemann spricht nicht gerne. Was er zu sagen hat, das teilt der Leipziger Wahl-Berliner seit 1995 durch die Texte seiner Band Rammstein der inzwischen global aufhorchenden Musikwelt in seiner ganz eigenen Metaphorik mit. Erklärungen gab es fast nie; Mißverständnisse und Fehlinterpretationen dagegen am laufenden Meter. Kürzlich wurde sein erster Gedichtband "Messer" veröffentlicht. Jetzt muß gesprochen werden. Klartext mit Till Lindemann. Wohl nur wenige einheimische Bands der populären Musik sind in ähnlichem Maße mißinterpretiert, falsch verstanden oder einfach nur verunglimpft worden wie Rammstein, die schon mit ihrem ersten Album "Herzeleid" mehr oder weniger gewollt zum typisch deutschen Sorgenkind aus vermeintlich gewaltverherrlichenden, Leni Riefenstahl-ästhetik meets Bodybuildingstudio-Holzhammer-Charme unterstützten Teutonen-Lyrics morbidester Couleur und internationalem Megarockstardom avancierten. Einer der Hauptverantwortlichen: Frontmann und Texter Till Lindemann, der nun in "Messer" Einblick in gesammelte Gedichte aus gut zwei Jahrzehnten gewährt und der heute nach langen Jahren der Zurückhaltung Blättern wie Der Spiegel, Fokus, Welt am Sonntag, TAZ und ähnlichen Rede und Antwort steht. Flucht ins Feuilleton oder das tatsächliche Ende des Kalten (Informations)Krieges? Lindemann, der ewig Mißverstandene.

    "Keines von beidem. Fakt ist, daß ich sehr selten und auch sehr ungern Interviews zu meinem Schaffen gebe. In der Vergangenheit sind dermaßen viele Dinge überbewertet worden, daß ich eigentlich gar keine Lust mehr habe, mich noch großartig zu äußern. Doch diesmal gibt es leider keine fünf Kollegen, die mich an dieser Stelle vertreten könnten. Es ist zwar nicht so, daß ich mich heute noch über irgendwelche Gerüchte, Halbwahrheiten und merkwürdige Deutungen ärgern würde, doch ich muß nicht auch noch aktiv zu deren Entstehen beitragen. Im Fall von Rammstein gibt uns der Erfolg recht und macht uns über irgendwelche blödsinnigen Vorwürfe erhaben. Es gibt diese typisch deutsche Wadenbeißermentalität, jedem ans Bein pinkeln zu wollen. Wir belächeln dies mittlerweile ruhigen Gewissens. Sicher mache ich mich mit "Messer" wieder auf eine gewisse Weise angreifbar. Falls die Medien auch diesmal nicht in der Lage sind, meine Äußerungen im eigentlichen Kontext wiederzugeben, wird es in Zukunft wohl über- haupt keine Statements mehr von mir geben."

    Deutliche Worte. Um so freier sollte man jedoch mit den Gedichten in "Messer" umgehen, die nach grober Rammstein-Machart auf ureigenste Weise Lindemanns gern und oft mißverstandenes Faible für ebenso explizite wie metaphorische Darstellungen der Urtriebe Gewalt, Sex und Tod Ausdruck verleihen und somit den Jahrtausende alten Motor der menschlichen Entwicklung zwischen plüschig-rosa Prosa und derbstem Gossen-expressionismus in all seiner Bandbreite widerspiegeln.

    Lindemann, der Vielseitige. Genau betrachtet eine mithin ziemlich ungewöhnliche Karriere, die 1979 im damaligen Arbeiter- und Bauernstaat als Schweriner Schriftstellersohn mit der Lehre zum Bautischler begann und sich mit den Jahren über die innungsgemäßen Schnittstellen Zimmermann und Korbmacher definierte. Spätere Arbeiten als Galerietechniker, Schlagzeuger der Punkband First Arsch und letztlich textliches wie visuelles Aushän-geschild Rammsteins hinterließen ihre Spuren. Heute: Till Lindemann 2003 - Kunstfigur oder multifunktionale Personalunion aus Musiker, Texter, Lyriker, Entertainer, Rockstar, Künstler?

    ...Ich hacke meine Brust aus Spaß,
    es regnet und mein Herz wird naß
    öffne meine dicken Venen, und schenk dir
    Sträuße roter Tränen... ("Nebel")

    "Kunstfigur auf keinen Fall. Grundsätzlich sehe ich mich als Texter, der im Moment die ersten Gehversuche als Lyriker macht. Das ganze Buch ist eine Art Rückblick; ein Abschluß, eine Werkschau. Vergleichbar mit dem Dasein einer Band, die nach 20 Songs zu dem Entschluß kommt, das Ganze auf einem Album zu verewigen. Der Herausgeber Gerd Hof und ich haben aus mehr als 1000 Gedichten aus gut 15 Jahren eine Auswahl getroffen, was wir in ‚Messer' veröffentlichen wollten. Wie wohl jeder Künstler werde ich in entscheidendem Maße von meiner Umwelt und meinen Erlebnissen inspiriert. In gewisser Hinsicht stellen die Texte gleichermaßen eine Abrechnung mit mir selbst, Rache an mir selbst und auch eine Aufarbeitung meiner selbst dar. Egal, ob dies von Träumen, Alptraumen, Filmen, Büchern und nur einem Spaziergang hervorgerufen wird. Eigentlich bin ich rund um die Uhr ein empfängliches Medium, das seinen Notizblock meistens in greifbarer Nähe hat. Meine Art von Texten entsteht fast ausschließlich unterbewußt. Wenn ich mich mit dem Gedanken hinsetze, etwas Positives zu schreiben, kommt am Ende dennoch etwas Düsteres dabei heraus, weil es eine Art automatischen negativen Fluß in mir zu geben scheint."

    Der in finaler Textform freilich nicht ohne den nötigen, augenzwinkernden und gerne vernachlässigten Abstand zu genießen ist und bei eingehender Betrachtung selbst gewisse (zwar dunkel)-humoreske Schnittmengen mit 60er Jahre Comedy-lkone Heinz Erhardt nicht verneinen will. "Herzeleid" ohne Noten? Lindemann spielt keine Melodien. Aber er lacht nickend. Und Vokale werden diesmal nicht gerrrrrollt.

    ...Ich habe ein Gewehr, ich habe es geladen
    ein Knall, du hast kein Köpfchen mehr
    das seh ich durch die Schwaden..."
    ("Absicht?")

    "Das ist in der Tat eine sehr gute Umschreibung. Sicher sind die Texte oberflächlich geprägt von Gewalt und jeder Art von Provokation. Doch beim näheren Lesen offenbart sich auch ein latenter, fast comic-hafter Witz, der von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird. Zwar entstehen die Texte beinahe ausschließlich unterbewußt aus einem Wort, einer vagen Idee oder einer Geschichte, doch irgendwo lasse ich mir dann immer noch eine Art Hintertürchen offen, so daß man meistens immer noch irgendwie über die Texte schmunzeln kann. Am deutlichsten ist dies sicher am Gedicht ,Big In Japan' zu merken, das ich nach meinem Besuch einer Nachtbar in Tokio geschrieben habe. Es gab dort einen Künstler, der sich wirklich enorme Gewichte an seinen Schwanz hängte. Bekanntlich sind Japaner nicht allzu gut von der Natur bestückt, doch das Ganze wurde so groß aufge-zogen, daß die Persiflage in Anlehnung an den Alphaville-Song einfach zwingend war. Es gibt doch nichts befriedigenderes und interessanteres für einen Künstler, als Reibung zu schaffen, zu polarisieren und die vielen unterschiedlichen Reaktionen zu beobachten. Im Falle von ‚Messer' geht dies von Angst über Betroffenheit bis hin zu echtem Vergnügen. Sicher frage ich mich auch von Zeit zu Zeit: Was habe ich da eigentlich für ein Monster erschaffen? Aber andererseits kichert man auch dann und wann still in sich hinein und freut sich über sein kleines, schmutziges, schwarzes Etwas."

    Also doch mutwillige Provokation in Tateinheit mit fahrlässig heraufbeschworener Mißinterpretation als Stilmittel zum vorsätzlichen Tabubruch? Nicht nur im Refrain der Debüt-Single "Wollt Ihr das Bett in Flammen sehen" wurde seinerzeit der Name Rammstein mehr als Schlachtruf denn als elementarer Kontext-Baustein verwendet. Till Lindemann: Bundes-Bürgerschreck. Enfant terrible. Gigolo der morbiden Erotik.

    ...Ihre Glieder bald blaßblau,
    doch atmet scheu der Sonnenschein
    solang die schweren Hüften lau, könnt ich
    auch lieben ihr Gebein. ("Tänzerin")

    "Wir/ich lege es zwar nicht darauf an, um jeden Preis mißverstanden zu werden, doch es ist andererseits immer wieder sehr spaßig, zu beobachten, wie man sich hierzulande wieder aufregt und welche Wellen diese Band schlägt. Ansonsten ist das Werkzeug der Provokation heute nicht mehr so interessant für uns wie noch zu Zeiten nach der Maueröffnung. Damals kam es fast nur darauf an, so böse, provokant und plakativ wie möglich zu sein; einfach etwas Neues und Abgefahrenes in deutscher Sprache zu machen. Heute geht es um andere Dinge, die Kunst und das Gesamtergebnis stehen für uns an erster Stelle. Andererseits liegt es mir nicht, meine Texte großartig zu interpretieren und Inhalten eine gewisse Richtung zu geben. Es ist doch viel spannender für alle, wenn sich die Leute selbst ihre Gedanken zu Kunst wie Bildern, Texten oder Skulpturen machen können und nicht durch den Künstler aufgeklärt werden. Ich habe festgestellt, daß viele Leute im Nachhinein von der wirklichen Bedeutung meiner Lyrics enttäuscht waren, da sie sich schon ihr eigenes Bild gemacht hatten und meine letztendliche Erklärung scheinbar weitaus unspektakulärer als die Phantasie gewesen sein muß. Manche Dinge sollten lieber ungesagt bleiben..."

    Eine bedeutende Rolle in "Messer" spielen die eigens angefertigten Fotos, die Lindemann in ungewohnter Pose inmitten einer ganzen Armee von unbekleideten Schaufensterpuppen als androgynen Außenseiter zeigen - vermeintlich fernab des selbst gewählten, oberflächlichen Düster-Macho-lmage vom muskelbepacktem Pyromanen auf der Pirsch nach weiblicher Beute.

    "Die Interpretation ist im Zusammenhang Gedicht/Foto und umgekehrt völlig frei. Es ist ein sehr interessantes Experiment, zu schauen, wie sich die Sichtweise auf die Gedichte mit Hilfe der Fotos verändert, welche verschiedenen Variationen möglich sind. Es gibt keine direkte Korrespondenz zwischen beiden Kunstformen, aber wenn man will kommt ein kleiner Dialog zustande. Sicher zeigen die Bilder mich von einer anderen Seite, die man vielleicht bisher von mir nicht kannte...",
    Die aber bei näherer Betrachtungsweise genau das Individuum preisgeben, welches in seinem Kern den wahren Protagonisten in Lindemanns Schaffen ausmacht: Den verletzlichen, nach Zuneigung und Geborgenheit heischenden Sonderling, den aus-gestoßenen Freak, den sensiblen Liebes-Töter auf der Suche nach Erfüllung - Rollenbeschreibungen gibt es viele in seinem ganz eigenen Persön-lichkeitsraster, potentielle Missverständnisse immer inklusive.

    Sonic Seducer 31.1.2003

  • Szene-Interveiw 16.11.2002Datum16.03.2008 15:11
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Szene-Interveiw 16.11.2002

    Szene-Interveiw 16.11.2002

    Rammsteins Sänger mit Messer im Herzen

    "Das ganze Ballhaus hat nach ihr gerochen/der Duft ist mir ans Herz gekrochen." So könnte ein Liebesgedicht anfangen. Theoretisch. Praktisch stammt die Verszeile von Till Lindemann. Und die Poesie des Rammstein-Frontmanns klingt genau so düster wie die seiner Band.

    Darum wundert es nicht, dass das Gedicht "Tänzerin (2)" wie folgt endet: "...doch plötzlich fiel der Tänzer hin/und sofort tot die Tänzerin. die Anmut brach wie ihr Genick/und mein kurzes Augenglück".

    "Ich kann einfach nicht lebensbejahend dichten", erklärt Till Lindemann. "Die Verse sind eine therapeutische Reise ins Ich, vielleicht wäre an mir sonst ein Massenmörder verloren gegangen." Glücklicherweise hat sich rechtzeitig ein Verlag gefunden, gerade ist der Gedichtband "Messer" bei Eichborn erschienen (Preis: 29,90 Euro). Lindemanns Mutter ist beim Lesen jedenfalls ein Licht aufgegangen. "Bei dir ist was schief gelaufen", wird sie von ihrem Sohn zitiert.

    Das Thema Einsamkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. "Messer" ist illustriert mit Fotos, die Till Lindemann im fleischfarbenen Kostüm zwischen nackten Schaufensterpuppen zeigen. "Die Bilder drücken eine enorme Stille aus, eine Ruhe, die ich mir öfter wünsche", sagt Lindemann.

    So sehr man auch bohrt, über das echte Leben weiß der Dichter nicht allzu viel Nettes zu berichten. "Du brauchst doch morgens um sechs bloß mal U-Bahn zu fahren. Diese zusammengepferchten, traurigen Gestalten sprechen doch wohl Bände!"

    Auch die Liebe ist für den Rammstein-Frontmann nur ein flüchtiges Gefühls-Intermezzo und deswegen nicht der Rede wert. Nur der Tod ist real. Lindemann: "Es ist doch schrecklich, dass uns jedes Nachdenken über das Sterben abgenommen wird. Seitdem wir in der Stadt wohnen, kann meine Tochter keinen Weihnachtskarpfen mehr sterben sehen, ohne zu jammern."

    Die Zeit der Tränen soll spätestens im Frühjahr 2003 vorbei sein. Dann wollen Till Lindemann und der Pyrodesigner Gert Hof (er hat die Gedichte für "Messer" ausgesucht) ein Buch mit kurzweiligen Geschichten aus dem Tierleben herausgeben. Titel: "Ziegenhals und Doppelbär".

    von Beate Willer

  • RE: Interviews und BerichteDatum17.03.2008 17:24
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Focus 2007







  • RE: Interviews und BerichteDatum17.03.2008 17:29
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Noch ein Interview vom Focus 2007

    FOCUS: Rammstein feiert weltweit Erfolge, doch der Gitarrist Richard Kruspe schlägt mit seinem Projekt Emigrate Solopfade ein. Hängt der Haussegen bei Rammstein schief? Ist Emigrate das Ende von Rammstein?

    Kruspe: Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Emigrate hat mir meine innere Balance erhalten. Das Problem, das ich mit Rammstein hatte, war, dass ich eine andere Geschwindigkeit habe. Ich musste mich künstlerisch und räumlich von Rammstein distanzieren, um selber weiterzukommen. Viele Künstler suchen sich einen zweiten Spielplatz, weil sie sich innerhalb ihrer ersten Band nicht völlig ausleben können. Bei mir war das auch der Fall. Ich habe Emigrate begonnen, um meine überschüssige Energie kanalisieren zu können.

    FOCUS: Ist Emigrate ein bisher unausgelebter Teil von Ihnen, ein musikalischer Ausritt in eine bisher unbekannte Welt?

    Kruspe: Emigrate ist ein neues Projekt, eine neue Identität. Eine Identität, die schon lange auf mich gewartet und mehrfach an meine Tür geklopft hat. Eine Identität, die ich jahrelang verleugnet und verdrängt hatte.

    FOCUS: Warum verdrängen Sie etwas, was Sie eigentlich doch wollen?

    Kruspe: Wohl aus der Angst heraus, Verantwortung übernehmen zu müssen. Diese Angst existierte schon immer – aber ich war bisher noch nicht bereit, mich ihr zu stellen. Wahrscheinlich fehlte mir das nötige Selbstbewusstsein. Es ist wohl der Weggang aus Berlin nach New York 1999 gewesen, der mir den letzten Anstoß gegeben hat.

    FOCUS: Sie haben gesagt, das Projekt Emigrate ist ein Neuanfang. Können Sie etwas Neues beginnen, ohne etwas Altes zu beenden?

    Kruspe: Ich bin noch nie ein monogamer Mensch gewesen. Mein ganzes Leben ist schon von Dualität geprägt.

    FOCUS: Ist das eher Segen oder Fluch?

    Kruspe: Schwierige Frage. Ich denke, eher ein Fluch. Es ist einfacher, wenn man kompakt denken kann und weiß, wo man hingehört. Das macht es auch für die Menschen in deiner Umgebung einfacher, weil sie wissen, wie sie mit dir umzugehen haben.

    FOCUS: 2001 gab es ziemlichen Krach bei Rammstein ...

    Kruspe: Ja, und genau das war die Zeit, als ich gemerkt habe, dass auch ich neue Wege einschlagen muss.

    FOCUS: Wäre Emigrate ohne die damaligen Schwierigkeiten mit Rammstein entstanden?

    Kruspe: Auf jeden Fall wurde zu dieser Zeit Emigrate in meinem Kopf geboren. Einerseits gab es Reibungen innerhalb der Band, andererseits wollte ich aus Berlin weg, weil mir die Stadt zu destruktiv geworden war. Ich war einfach zu satt und zu müde. Wir hatten mit Rammstein so viel erreicht, und ich war hungrig nach Neuem.

    FOCUS: Wie haben denn die anderen Bandmitglieder von Rammstein auf den Solotrip reagiert?

    Kruspe: Die waren, glaube ich, froh, dass ich erst mal weg war, und haben das als eine gesunde Auszeit gesehen, sodass wieder etwas Ruhe in die Band einkehren konnte. Das war auch sehr wichtig. Irgendwann haben wir dann einfach aufgehört, darüber zu reden. Ich versuche, die beiden Projekte voneinander zu trennen. Wenn ich in New York bin, arbeite ich mehr für Emigrate, in Berlin für Rammstein.

    FOCUS: Welche Seiten Ihrer Persönlichkeit können Sie bei Emigrate einbringen, die bei Rammstein fehl am Platz waren?

    Kruspe: Auf jeden Fall meine eher romantische, weibliche und melancholische Seite.

    FOCUS: Werden Sie in den nächsten Jahren permanent auf zwei Hochzeiten tanzen?

    Kruspe: Ich kann nicht nur ein Teil einer Band sein, das reicht mir einfach nicht mehr. Das war schon lange ein Problem. Für mich können beide Projekte wunderbar koexistieren. Es ist genug Energie da.

    FOCUS: Musikalisch orientiert sich Emigrate sehr am Industrial Rock von Rammstein, doch das Debütalbum enthält viele lyrische und sehnsüchtige Elemente.

    Kruspe: Ich habe zu Beginn von Emigrate nicht darüber nachgedacht, wo ich künstlerisch genau hinwill. Ich wäre auch zu eingeschränkt gewesen, wenn ich zu viele Konzepte und Ideen im Kopf gehabt hätte. Ich habe allerdings bemerkt, dass ich bei Rammstein und Emigrate ganz unterschiedlich an die Musik herangehe. Bei Rammstein muss ein Song anfangs auch ohne Gesang funktionieren, weil dieser erst später dazukommt. Bei Emigrate habe ich gleich von Beginn an die Stimme in den Song integriert, wie beim klassischen amerikanischen Songwriting.

    FOCUS: Welche Rolle hat Ihr „Emigrieren“ aus Deutschland nach New York bei der Produktion von Emigrate gespielt?

    Kruspe: Es ist zum Thema des gesamten Albums geworden, dieses Fremdsein, diese Freiheit. Die Oberflächlichkeit, die man Amerikanern oft unterstellt, habe ich als gesunde Offenheit empfunden. Du bist Außenseiter und kannst ganz unbefangen dort leben.

    FOCUS: Halten Sie bei Emigrate allein die Zügel in der Hand und bestimmen, wo es langgeht?

    Kruspe: Ich kann immer ein Veto einlegen und sagen, das und das gefällt mir nicht. Das ist mir sehr wichtig. Es ist komplett anders als bei Rammstein. Das liegt an den Hierarchien. Rammstein ist immer eine sehr demokratische Angelegenheit.

    FOCUS: Welche Bedeutung hat für Sie der kommerzielle Erfolg von Emigrate?

    Kruspe: Ich war am Ende selbst erstaunt, wie eingängig und eben doch kommerziell das Album geworden ist. Ich hatte vermutet, es würde finsterer klingen. Klar hat Musik wie jede Kunstform einen egoistischen Anspruch. Da lass ich mir auch von keinem reinreden. Ich hatte gedacht, dass Emigrate eher meine dunkle Seite zum Tragen bringen würde und dass ich musikalisch auch so rüberkomme, aber vielleicht ist das einfach nicht der Fall. Es hat schon seinen Sinn, dass es so klingt, wie es klingt.

    FOCUS: Bei Emigrate gibt es zwei große Unterschiede zu Rammstein: Sie singen selbst – und das auf Englisch. Wie kam es dazu?

    Kruspe: Ich habe anfangs über eine Zusammenarbeit mit anderen Sängern für Emigrate nachgedacht, bis unser Bassist Arnaud Giroux sagte: Du hast die Songs geschrieben, also musst du sie auch singen. Da Emigrate in New York entstanden ist, hat es sich für mich ganz natürlich angefühlt, für Emigrate englische Texte zu schreiben.
  • RE: Interviews und BerichteDatum17.03.2008 17:34
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Emigrate

    Dass Richard der erste Rammsteiner sein würde, der mit einem Soloalbum daherkommt, war klar. Der Mann hat ein ausgeprägtes Ego, braucht als Kreativer und Songwriter von je her problematisch viel Platz innerhalb der Band und hat sich durch sein Leben in New York auch räumlich am weitesten aus dem Rammstein-Kosmos herausgewagt. Jetzt kann endlich raus, was anderswo zur Verstopfung geführt hätte.

    Und um das gleich zu Anfang zu klären: "Emigrate" ist KEIN Rammstein-Album.

    Zwar ist das große R. beim ersten Durchhören immer noch nun mal treibende Kraft in dieser Kapelle und kann und muss deshalb gar nicht komplett anders klingen. Im Gegenteil! Kruspe ist auch einer der wenigen Musiker, bei dem diese Verwandtschaft eben kein Plagiat ist, sondern in der Natur der Sache liegt. Das kann man doch mitnehmen!
    Obwohl bei der Produktion auf die altbewährten Strukturen des Mutterschiffes (Produzent, Team, Management) zurückgegriffen wurde, schwimmt sich Emigrate frei. Kruspe singt englisch - er singt er selbst - und das macht er gut! Die Abteilung "Wahnsinn, Kunst und Avantgarde" bleibt bei Emigrate geschlossen. Hier ist nichts absurd und es gibt nichts zu lachen. Das Ganze ist "more Basic" und soweit das bei Bombast möglich ist, recht bodenständig. Gute Refrains, dynamische Arrangements, auffällig geschmackvolle Frauen-Chöre. Beim Song "New York City" rocken Emigrate so klassisch, dass man zwischendurch sogar mal ganz kurz an die Stones, AC/DC und die Sisters Of Mercy denkt. Cool!

    "Emigrate" ist ein in jeder Hinsicht grundsolides dunkles Rock-Album. Es schlägt keine Türen auf, die nicht schon offen waren, aber es dreht sich auch nicht eine Stunde lang nur im Kreis und um sich selbst. Wer gehofft hat, dass Emigrate beweist, dass Richard Z. Kruspe ohne Rammstein nicht kann, der wird bitter enttäuscht. Wenn man dann auch noch bedenkt, wie unfassbar viel Schrott in der Abteilung "Soloalben" steht, steht man kurz auf und zieht seinen Hut. Kruspe kann was. Nur eben nicht alleine Rammstein sein. Muss er auch nicht. Will er auch nicht.


    Text: Yessica Yeti
    quelle: motor.de | 04.09.2007
  • RE: Interviews und BerichteDatum17.03.2008 17:35
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
  • RE: Interviews und BerichteDatum17.03.2008 17:39
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Rock Hard 2007



  • RE: Interviews und BerichteDatum18.03.2008 10:05
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Richard Z. Kruspe Emigrade/Rammstein

    Here We Go!


    Iceman: „Hallo Richard! Viele Leser von uns haben schon von EMIGRATE´s Single „My World“ gehört und sind begeistert, was können die Leser, die EMIGRATE noch nicht kennen, erwarten?“

    Richard Z. Kruspe: „Im Grunde genommen brauche ich EMIGRATE als Ausgleich für meine Person, um einfach wieder Spaß bei RAMMSTEIN haben zu können.
    Das Problem war, dass ich mich über die Jahre mehr und mehr unwohl gefühlt habe innerhalb der Band.
    Mit EMIGRATE hat sich wieder eine Balance hergestellt, die wichtig war.
    Dadurch geht es mir mit RAMMSTEIN wieder gut. Wir sind gerade dabei, ein neues Album zu schreiben und haben lange nicht mehr so eine entspannte Situation erlebt, in der wir wirklich miteinander klarkommen.
    Wir haben wieder Spaß am Spiel, auch die Energie, die wir am Anfang mit RAMMSTEIN hatten, ist wieder da, weil ich einfach Gitarrist sein kann."

    Iceman: „Jetzt mal was ganz anderes, wir Berliner kennen ja nun alle unsere „Leber aus Beton“ (Harald Juhnke R.I.P.) und der hat mal gesagt: „Is ejal mit wat, Hauptsache man is inne Medien!“
    Ich spiel damit auf eure „Sensationsmeldung“, diese Trennungsgerüchte an, das Till angeblich aussteigen will, wie war das für Dich als Du davon erfahren hast?“

    Richard Z. Kruspe: „Zu der Zeit waren wir alle zusammen an der Ostsee und haben an dem neuen Album gearbeitet. Die Stimmung war klasse, wir haben es gar nicht für voll genommen, als diese Nachricht kam. Es ist einfach nur Blödsinn, da hat sich jemand einen Scherz erlaubt.“

    Iceman: „Also das „übliche Sommerpresseloch“, man muss ja irgendwas schreiben, hm?“

    Richard Z. Kruspe: „Nicht unbedingt, ich glaube die Meldung kam aus Amerika, nicht aus unserer Ecke. Da hat jemand eine offiziell aussehende Mitteilung in unserem Namen verschickt.“

    Iceman: „Aber von wem das kam wisst ihr auch nicht?“

    Richard Z. Kruspe: „Von irgendeiner amerikanischen Internetseite, keine Ahnung. Wir haben versucht, das herauszubekommen, aber es war irgendeine E-Mailadresse, die man nicht nachvollziehen konnte!"

    Iceman: „ Was hast Du vor? Willst Du mit EMIGRATE nebenbei noch auf Tour gehen?“

    Richard Z. Kruspe: „Ich habe das vor aber ich muss ganz klar sagen, dass die Prioritäten bei RAMMSTEIN liegen momentan, wir schreiben an einem neuen Album, da ist meine Mitarbeit gefragt.“

    Iceman: „ Was hast Du vor? Willst Du mit EMIGRATE nebenbei noch auf Tour gehen?“

    Richard Z. Kruspe: „Ich habe das vor aber ich muss ganz klar sagen, dass die Prioritäten bei RAMMSTEIN liegen momentan, wir schreiben an einem neuen Album, da ist meine Mitarbeit gefragt.“

    Iceman: „Ok, kannst Du uns denn schon verraten wie das neue Album heißen wird und wann es erscheint?“


    Richard Z. Kruspe: „Mit dem Namen ist es immer schwierig bei uns, der kommt meistens ganz am Schluss. Mit dem Erscheinungsdatum sind wir gerade, Gott sei Dank, in der Situation, dass wir uns den Luxus erlauben können, zu sagen: „Es erscheint wenn es fertig ist!“!

    Iceman: „Ok, Richard! Dann lassen wir uns überraschen wann es erscheinen wird! Ich danke Dir und gibt es noch etwas das Du unseren Lesern sagen möchtest?“

    Richard Z. Kruspe: „Don’t believe the hype!“

    Quelle: http://www.heavy-metal-heaven.de
  • RE: Interviews und BerichteDatum18.03.2008 10:09
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
    Nuclear Blast 2007



  • RE: Interviews und BerichteDatum18.03.2008 10:11
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Interviews und Berichte
  • RE: Bandfotos - und BilderDatum24.03.2008 11:25
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Bandfotos - und Bilder



  • RE : InterviewsDatum01.04.2008 16:16
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema RE : Interviews

    Vienna ONline Interview mit Till über "Mutter"

    VO: Wie seid ihr mit dem neuen Album zufrieden, und was ist der größte Unterschied zu den ersten beiden?
    Till Lindemann: Wir sind sehr zufrieden, es ist besser und vor allem reifer als unsere ersten beiden. Der Stil geht eher weg vom Techno zu mehr Akustik-Sachen. So richtig back to the roots. Musikjournalisten sagen oft, es wäre poppiger.

    VO: Welchen Hintergrund hat das Lied Mutter? Geht es um ein geklontes Kind?
    Till Lindemann: Es soll sich jeder seine Interpretation suchen der Text ist absichtlich nicht eindeutig. Aber Deiner Version mit dem geklonten Kind liegt sehr nahe bei meiner.

    VO: Habt ihr beim Video „Sonne“ selber Ideen eingebracht?
    Till Lindemann: Ja, die Idee war von uns, Regisseur Jürgen Haidmann hat uns nur bei der Umsetzung geholfen. Das Lied Sonne war ja eigentlich als Kämpferlied gedacht, für die Klitschkot-Brüder, zum Einzug in den Box-Ring. Es kommt ja auch das Zählen vor: Eins, Zwei... Aber wir wollten dann doch etwas weniger martialisches, weil Videos, die mit Boxen zu tun haben, gibt es ohnehin schon genug – und da sind wir auf die Schneewittchen-Idee gekommen und die hat uns sofort gefallen.

    VO: Wie inspiriert Ihr euch, wie kommen Euch Ideen zu den Songs?
    Till Lindemann: Meine Bandkollegen geben mir meistens eine Arbeitsspur mit nach Hause, die hör ich mir dann bei einer Flasche Wein oft und sehr laut an, und versuche mich reinzulehnen. Ich versuche zu hören, was zu dem Material passt. Bei „Sonne“ wars zum Beispiel so, dass ich klar hören konnte, dass da was aufgeht und dann ists die Sonne geworden.

    VO: Ihr seid bekannt für Eure spektakulären Bühnenshows – Könnt ihr schon was verraten, wie die neue Tournee aussehen wird?
    Till Lindemann: Wir müssen jetzt noch die Promotion fertig machen, dann haben wir nur noch zwei Monate Vorbereitungszeit, aber wir haben schon einen amerikanischen Stagedesigner engagiert und wir werden uns Mühe geben, damit es wieder eine tolle Show wird.

    VO: Wieder mit pyrotechnischen Elementen?
    Till Lindemann: Ja, das gehört zu einer Rammstein-Tournee auf jeden Fall dazu.

    VO: Die Presse stellt euch gerne ins rechte Eck – Was unternehmt ihr, um gegen dieses Image anzukämpfen?
    Till Lindemann: Wir haben es satt, uns in unzähligen Interviews zu rechtfertigen und distanzieren und die Journalisten schreiben dann doch was anderes. Auf der neuen CD ist ein Lied, das ganz klar macht, dass wir mit rechtem Gedankengut überhaupt nichts am Hut haben, nämlich „Links 234“.

    VO: Bereut Ihr es heute, dass Ihr zum Video „Stripped“ Bilder von Leni Riefenstahl verwendet habt?
    Till Lindemann: Nein, weil wir haben die Bilder für künstlerisch wertvoll befunden und sie haben optimal zum Lied gepasst. Man darf Kunst und Politik nicht immer vermischen, Riefenstahl war Künstlerin und wir sind es auch.

    VO: Habt ihr musikalische Vorbilder?
    Till Lindemann: Richtige Vorbilder nicht, aber natürlich sind wir auch beeinflusst worden. Jeder hat so seine Lieblingsbands, meine sind beispielsweise Ministry, Type-O-Negative, Limp Bizkit und Placebo.

    VO: Welche sind eure Lieblings-Homepages?
    Till Lindemann: Also ich kann da nichts sagen, ich habs nicht so mit der Technik, mir haben meine Bandkollegen auch jetzt unlängst erst ein Handy geschenkt, weil sie mich nie erreicht haben.

    Quelle: vienna-online.at

  • RE: MesserDatum01.04.2008 16:24
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Messer

    TAZ Magazin 20.11.2002

    Ein Vers brennt

    Gott weiß, ich will ein Dichter sein: Der Rammstein-Sänger Till Lindemann hat seinen ersten Lyrikband veröffentlicht. Die Gedichte in "Messer" erzählen vom Weltende - und nicht zuletzt vom Älterwerden.

    von KOLJA MENSING


    "Also, Frohsinn …", sagt Till Lindemann, Sänger von Rammstein und neuerdings Lyriker im Nebenberuf, "das nimmt mir sowieso keiner ab. Und dazu fällt mir auch einfach nichts ein."

    Sprichts und blickt in den Novembermorgen, der sich draußen vor der verglasten Fassade im 23. Stock der Treptowers weit über das Land östlich von Berlin erstreckt. "Andromeda ich kann dich sehen / warst nie so nah wie dieser Tage", heißt es in einem der Gedichte aus dem Band mit dem schlichten Titel "Messer". Das Schicksal reitet auf weißen Pferden, und Stein auf Stein entstehen hohe Türme, in die der Tod bereits Einzug gehalten hat: "Viva Andromeda". Noch Fragen?

    In diesem Moment - 11.13 Uhr - wird in den Treptowers der Alarm ausgelöst. Die Angestellten der Allianz-Versicherung, die den größten Teil des Hochhauses belegt hat, verlassen geordnet das Gebäude. Till Lindemann bleibt sitzen: "Da hinten kommt Bin Laden", sagt er und zeigt auf ein Flugzeug, das sich vom Flughafen Schönefeld den Treptowers nähert. Till Lindemann ist ein Schmerzensmann, der sich auch mal locker machen kann. Noch Kaffee? Oder lieber Wasser?

    Zehn Minuten später wird der Alarm abgestellt. Es war wohl doch nur eine Übung. Reden wir also über Gedichte. "Hab ich mir einfach so von der Seele geschrieben", sagt Lindemann, und bei "Viva Andromeda" war auch eine Flasche Rum im Spiel, die er in Venezuela am Strand geleert hat. Seine eigenen Verse will er allerdings nicht erklären: "Ich finds aber gut, wenn andere eine Meinung dazu haben."

    Ordentliche Gedichte sind das schon, trauriges Zeug zum größten Teil. Es geht um Tod und Krankheit, Eiterfluss, Gedärm und "gieriges Geschlecht". Vom barocken Weltende zu den expressionistischen Wasserleichen, von blutroten romantischen Abendstimmungen bis hin zu den sterbenden Tänzerinnen des Fin de Siècle hat Till Lindemann alles mitgenommen, was nach Verfall und Untergang riecht. Hier und da berührt der persönliche Ton, und manches ist wohl einfach nicht ernst gemeint: "ein kleines Boot im Flammenmeer / kein Land in Sicht nicht Feuerwehr".

    Reim dich oder ich peitsch dich: Natürlich denkt man an die Texte von Rammstein, schmutzig, pathetisch und mit dem Hammer gemacht. Bück dich, Metrum! Till Lindemann will seine Band allerdings lieber aus seinen Gedichten heraushalten. Musik ist ja eine "Zwangsjacke", sagt er. Gedichte schreiben, das ist "als ob du aus dem Käfig herauskommst". Ist "Messer" Till Lindemanns Ausbruch aus dem Rockzirkus? "Nein." Die nächste Rammstein-CD ist schon in Vorbereitung. "Aber man muss wissen, wann Schluss ist."

    Till Lindemann ist 39. Alt ist das nicht, doch die Fotos, die Jens Rötzsch gemeinsam mit dem Rammstein-Bühnenregisseur und -Lichtdesigner Gert Hof für den Gedichtband inszeniert hat, erzählen eine andere Geschichte: Lindemann mit kahl rasiertem Schädel, die Falten und Poren mit weißer Schminke nicht verdeckt, sondern erst herausgebracht, posiert neben jugendlichen Plastikpuppen. Es sind die Porträts einer Kunstfigur, die in die Jahre gekommen ist. Auch Rockstars werden älter.

    Wann also ist Schluss? "Wenn das Zahnfleisch zurückgeht. Wenn die Kinder mit dem Finger auf dich zeigen." Und dann? "Auf einer Bank sitzen und mit dem Krückstock eine Fotze in den Sand malen, hat mal ein Freund von mir gesagt." Till Lindemann lächelt. Zur Not kann er später ja auch noch ein paar Gedichte schreiben.

    Bis zum nächsten Buch also. Unten, im Foyer des Hochhauses, wird gerade ordnungsgemäß das Ende der Evakuierungsübung eingeleitet. Der Hausmeister hat einen Geigerzähler in der Hand, die ersten Angestellten drängeln zurück in die Fahrstühle. Junge Menschen mit gepflegten Zähnen, Designerbrillen und polierten Schuhen fahren wieder in den Himmel auf. Viva Andromeda: "In blanker Rüstung steht mein Heer / von ach zehntausend Illusionen." Passt doch. Till Lindemann ist ein Dichter, dem man jedes Wort glaubt. Und das kommt ja selten genug vor.

  • RE: WallpaperDatum02.04.2008 16:20
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Wallpaper

  • RE: Amundsen der PinguinDatum02.04.2008 16:34
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Amundsen der Pinguin

    ...und ich mach weiter mit paar Bildern









  • RE: BilderDatum02.04.2008 16:51
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema Bilder
    Danke für die tollen Bilder, liebes Chefchen! Ich krieg schon wieder einen Lachkrampf... mehr davon, bitte!

    mit so lustigen Kommentaren kann ich zwar nicht dienen aber mit paar Screens schon

    höschen für das Schäfchen...


    so nun mal zum ernst der Sache






    ...und wenn ihr schön artig seit bekommt ihr noch mehr!
  • RE: My Word Video ScreensDatum02.04.2008 17:31
    Foren-Beitrag von Tillmania im Thema My Word Video Screens

    wie könnte ich diesem Blick widerstehen! Bittschön!







    morgen gibts noch mehr!

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